Fotografien und Erinnerungen von 1986 bis 2015


Das vorliegende Buch ist Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit Fragen,die meine familiäre Herkunft unmittelbar berühren. Verschiedene Aspekte, die dabei nach und nach an die Oberfläche drungen, provozierten eine Arbeitsweise im Sinne des „work in progress“. Die Wieder- und Neu-Begegnungen mit unterschiedlichen Relikten aus der Vergangenheit – darunter die Matroschka als ein Leitmotiv in der Malerei meiner verstorbenen Mutter, ihre Tagebücher sowie zwei Schuhkartons mit alten Familienfotos – setzten in mir eine Spurensuche in Gang, die bis heute anhält. In meiner fotografischen Arbeit konfrontiere ich Kindheitserinnerungen mit Sichtweisen, die sich aus dem Hier und Jetzt ergeben. Fundstücke aus der Vergangenheit meiner Ursprungsfamilie inspirieren mich dazu, anzuknüpfen an das, was sich in unterschiedlichen Momentaufnahmen ganz unmittelbar zeigt. Auf den Seiten fügen sich Familienfotos vermengt mit Fotografien von heute in ausgewählten Augenblicken neu zusammen. Zum einen in der willkürlichen Auswahl, zum anderen in der sehr unmittelbaren Art der Präsentation ergibt sich eine Aussage, die erst aus dem Rückblick auf das Vergangene möglich wird. Das Prinzip der auf engstem Raum in sich verschachtelten Identitäten verkörpert die farbenfrohe Gestalt der Matroschka. In zahlreichen Gemälden meiner Mutter tauchte sie in immer neuen Variationen auf. In meinen Erinnerungen wird die Matroschka für mich zur zentralen Figur, zum Leitmotiv für ihr So-und-nicht-anders-Sein. Der Matroschka, dem Anderssein meiner Mutter, gebührt ihr ganz eigener Raum.